Wiener Urania Puppentheater – ein Theater, welches Geschichte schrieb

Besucht das Wiener Urania Puppentheater

Seid ihr je in Wien zu Gast, solltet ihr dem Wiener Urania Puppentheater einen Besuch abstatten. Egal, ob alt oder jung, hier fühlt sich jeder wieder wie ein Kind. Ich erinnere mich daran, als meine Eltern mit mir seinerzeit in Wien waren. Wir besuchten Kasperl und Pezi, jene zwei Puppentheaterberühmtheiten, die schon viele Generationen in Wien überdauern. Damals schenkte mir mein Vater sogar den berühmten Pezi Bär als Handpuppe. Irgendwo verweilt dieser immer noch bei mir im Keller. Ich sollte ihn wieder einmal empor holen.

Die Geschichte des berühmten Wiener Urania Puppentheater – alles begann in den späten 40ern

Im Jahr 1948 trafen sich Marianne und Hans Kraus, zwei Volksschullehrer, die in der Schule die Idee hatten, eine Kasperl Aufführung während eines Faschingsfestes zu gestalten. Kaum zu glauben, was aus dieser Idee im Endeffekt entstand. Aus zwei Lehrern wurden zwei leidenschaftliche Theaterspieler und Kollegen, welche die kleine Theater Welt veränderten.

Die erste Bühne wurde direkt in der Wohnung von Hans Kraus gebaut. Die Puppen wurden damals im Spielwarenladen gekauft, später folgten eigene Geschnitzte. Die Mutter von Hans nähte die Kostüme für die Puppen. Hans kümmerte sich um Kulissen, Requisiten und andere wichtige Dinge.

Das Gasthaus

Das Gasthaus Figl im 3. Bezirk wurde damals in das erste Kasperltheater umfunktioniert. Der erste Spieltag fand am 11. Juni 1949 statt. Die Bühne wurde bereits am Vortag angeliefert. Am großen Tag standen um 12:30 die ersten Besucher an, die lange Schlange, welche sich bildete, wurde von Mama Kraus empfangen. Um 14:00 fiel der allererste Vorhang. Die Karriere ging schnell voran. Ab diesem Tag wollten die Menschen jeden Samstag und am Sonntag ein neues Programm sehen. Es mussten neue Puppen, neue Kulissen, neue Stücke und Ideen her.

Der Umzug

Später folgte der Umzug von diesem Lokal ins Gasthaus Schreder in die Neulinggasse. Es sollte nicht mal ein Jahr dauern, fand bereits die erste Zusammenarbeit mit der Wiener Urania statt. Diese bekam im Gänsehäufel einen Platz, wo diese Kinder unterhalten sollten. Das Puppentheater eignete sich hervorragend hierfür. Ab Weihnachten darauf bekamen die Theaterspieler die Möglichkeit im mittleren Saal der Urania zu spielen. Der Name der Puppenspielgemein lautete Anfangs „Theater der Kleinen“ und wurde später zum „Wiener Urania Puppentheater“. Die Bühne war zu klein für den großen Saal, es musste eine größere her. Am 25. Dezember gab es um 14:30 die erste Theateraufführung direkt in der Urania. Es folgten Vorstellungen am Samstag, Sonntag und mittwochs. Später wurde es zu einem Abonnementtheater für groß und klein. Die Abos waren rasch ausverkauft, und es gab später 16 Spieltage mit 32 Vorstellungen.

Der Erfolg

Der Erfolg kann sich sehen lassen. Fast ein jedes Kind aus Wien weiß, was mit der Urania gemeint ist. Dort sind Kasperl und Pezi offiziell zuhause, die später auch Fernseh- und Radioshows bekamen. Die Figuren wurden berühmt und mehrmals übernommen. In all den Jahren wechselten die Darsteller und Besitzer des Theaters. Im Sommer 2018 wurde bekannt gegeben, dass der ehemalige Besitzer kein Interesse mehr hat, die Bühne weiterzuführen. Er wollte sich in Ruhestand begeben. Es drohte Gefahr, dass eine berühmte Ära sich dem Ende neigt. Dank Medienberichten gab es im Endeffekt 27 Interessenten. André Heller war es im Endeffekt, der die Geschäftsführung der Kasperl und Pezi GmbH übernahm. Die erste Spielzeit in der Heller Ära startet am 4. Oktober 2019.

Falls Ihr nach Wien kommt, schaut unbedingt vorbei und besucht ein Stückchen Theater, welches eindeutig in die Geschichte einging und zahlreiche Kinderaugen zum Strahlen brachte.

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